Doppelte Belastung durch Diabetes und Depression

Gemeinsame Ursache von Diabetes und Depression bietet neue therapeutische Ansätze

In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft etwa 800.000 Menschen, die sowohl an Diabetes, als auch an einer klinischen Depression erkrankt sind. Diabetiker leiden dabei doppelt so häufig an einer Depression wie der Rest der Bevölkerung. Das gleichzeitige Auftreten einer Depression ist häufig mit einer schlechteren Stoffwechseleinstellung, mehr Komplikationen und einer deutlich reduzierten Lebensqualität verbunden. Die niedergeschlagene Stimmung und die Antriebslosigkeit der Depression können das Fortschreiten des Diabetes beschleunigen und die Krankheitssymptome verschlechtern.

Die Ursachen einer Depression können vielfältig sein: genetisch oder epigenetisch bedingte Veranlagung, Persönlichkeitsfaktoren, körperliche Erkrankungen, Medikamente, hormonelle Veränderungen, psychische und psychosoziale Belastungen, chronische Belastungen wie Stress und Sorgen oder chronische niedriggradige Entzündungen im Körper.

Diabetes führt zu einer Erhöhung von entzündlichen Prozessen an den Blutgefäßen. Das wiederum fördert die Entstehung weiterer Folgeerkrankungen an Nerven, Augen, Füßen oder Nieren. Die Zunahme der Entzündungen kann Ausdruck eines »aus dem Ruder laufenden« wichtigen Regulationssystem sein, der Darm-Hirn-Achse. Ein gemeinsamer Risikofaktor in der Entwicklung von Depressionen und Diabetes ist die niedriggradige Entzündung des Körpers durch eine Schädigung der Darmflora.

Vereinfacht lassen sich die dabei ablaufenden körperlichen und psychischen Vorgänge so darstellen: ungesunde Lebensweise in Kombination mit einer individuellen Veranlagung → Schädigung der Darmflora → Störung der Darmschleimhaut → erhöhte Durchlässigkeit des Darms → Einstrom von bakteriellen Bestandteilen aus dem Darm in das Blut und Verlagerung von Bakterien in den Körper → chronische niedriggradige Entzündung → funktionale Darmbeschwerden und psychische, neurologische und neuropsychiatrische Probleme → Entstehung von chronischen nicht übertragbaren Krankheiten

Die Liste der chronischen nicht übertragbaren Krankheiten, die der aus der Balance geratenen Darmflora folgen kann, liest sich wie das »Who-is-Who« der Zivilisationskrankheiten: Übergewicht, Fettleibigkeit, metabolisches Syndrom, Bluthochdruck, Fibromyalgie, Fettstoffwechselstörung, Sodbrennen, Verstopfung, Reizdarm, Angst, Autismus, Parkinson, Alzheimer, Krebs — und Diabetes und Depression.

Um nicht unaufhaltsam in den Strudel der oben beschriebenen Kaskade fortzuschreiten, kann es sinnvoll sein, die eigene Darmflora untersuchen zu lassen. Funktionale Störungen lassen sich über eine Stuhlprobe erkennen und mit Hilfe der Mikrobiologischen Therapie lassen sich sowohl eine geschädigte Darmschleimhaut als auch die beginnenden Entzündungsprozesse effektiv behandeln. In Kombination mit dem Erlernen von stressreduzierenden Methoden wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Yoga oder Meditation und einer lösungsorientierten psychotherapeutischen Begleitung wird daraus eine ganzheitliche Behandlung, die den Menschen in den Mittelpunkt rückt.

Jeder Mensch mit Diabetes steht vor der Aufgabe, sich mit dieser Störung zu arrangieren und seine bisherigen Lebensgewohnheiten zu überdenken: Lebe ich bewusst? Ist mir meine Gesundheit wichtig? Welche Ziele habe ich in meinem Leben? Wie viel Energie will ich investieren, um mein Leben zu ändern? Wie kann ich es ändern?

Bei der Klärung dieser Fragen bin ich gerne behilflich.

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