Aktuelle Erkenntnisse liefern neue therapeutische Ansätze

Eine Demenz ist ein Syndrom in Folge einer zumeist chronischen oder fortschreitenden Erkrankung des Gehirns mit Beeinträchtigung von Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen, emotionalen Kontrolle, Sozialverhalten und Motivation.

Die häufigste Ursache einer Demenz ist die Alzheimer-Krankheit, deren Anteil auf mindestens zwei Drittel der Krankheitsfälle geschätzt wird.

Heilbar ist Alzheimer bis heute nicht und noch ist nicht genau geklärt, was die Erkrankung auslöst. Bekannt ist aber, dass sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten mikroskopisch sichtbare Proteinablagerungen bilden. Im weiteren Verlauf der Krankheit nimmt die Hirnmasse immer weiter ab, weil Nervenzellen absterben. Die Produktion bestimmter Botenstoffe im Gehirn lässt nach und in Folge auch die allgemeine Leistung des Gehirns.

Darmflora hat Einfluss auf den Verlauf von Alzheimer-Demenz

Alle diese geschilderten Prozesse spielen sich im Gehirn ab. Es mehren sich aber deutlich die Hinweise, dass die menschliche Darmflora (Mikrobiota) mit der Entstehung der Alzheimer-Krankheit zusammenhängt. So belegt eine in Schweden an der Universität von Lund durchgeführte Studie, dass eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora den Verlauf von Alzheimer beschleunigen kann.

Über Darm-Hirn-Achse kommuniziert Mikrobiota mit Hirn

Die Mikrobiota im Darm setzt Botenstoffe frei, die über den Vagusnerv auf die Gehirnfunktionen einwirken können. So schützt der stimulierende Wachstumsfaktor BDNF (brain-derived neurotrophic factor) die gesunden Hirnzellen und fördert das Wachstum neuer Zellen. Die Produktion von BDNF wird offenbar von Darmbakterien beeinflusst und ist bei Alzheimer-Patienten deutlich verringert. Es scheint, dass altersbedingte Veränderungen der Darmflora und ein altersbedingter Verfall des Nervensystems verknüpft sind.

Vor über 25 Jahren wurden erste Studien veröffentlicht, die aufzeigten, dass es bei Alzheimer-Patienten nicht nur im Gehirn entsprechende Plaque-Ablagerungen gibt – sondern auch im Darm.

Die beobachteten Zusammenhänge bringt die aktuell an der Alzheimer-Krankheit forschenden Wissenschaftler dazu zu überlegen, ob der Zustand des menschlichen Darms eine frühe Vorhersage ermöglicht, ob ein Mensch an Alzheimer erkrankt.

Neue Therapieansätze bei Demenz denkbar

Wenn die Darmflora und die Alzheimer-Erkrankung in einem ursächlichem Zusammenhang stehen, dann liegen hier auch mögliche Präventions- und Therapieansätze. Unter Umständen wird es dadurch möglich, durch eine gezielte Beeinflussung der Darmflora den Ausbruch von Alzheimer zu verzögern oder zu verhindern.

Die alternative Medizin bietet hier ganzheitliche Therapieansätze und Unterstützung durch mehr Bewegung, ein sinnerfülltes Leben, gezielte Entspannungsverfahren, Selbsthilfestrategien, ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung – die auch Basis einer gesunden Darmflora ist.

Vortrag zum Thema

Auf Einladung der „Frauenrunde Mentzhausen“ referiert der Autor Jürgen Wiese am 6.11.2017 über das Thema »Demenz durch Darmbakterien«. Um 19.30 Uhr treffen sich dazu alle Interessierten (auch Männer und Nicht-Mitglieder) in der alten Grundschule Mentzhausen an der Middelreeg 11 in 26349 Jade.

Dieser Artikel erschien zuerst auf den „Gesundheit, Wellness & Pflege“-Seiten der Nordwest-Zeitung.


Jürgen Wiese

Ich bin Jürgen Wiese, Heilpraktiker für Psychotherapie mit einem persönlichen Schwerpunkt in kontemplativer Psychologie und lösungsorientierter Beratung. Seit 25 Jahren praktiziere ich Qigong, eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist. Seit 5 Jahren praktiziere ich Vipassana, eine aus der buddhistischen Tradition kommende Einsichtsmeditation.

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